Das erste Kundenprojekt in der Entwicklung

Als wir IK Elektronik 1996 gründeten, lag unser Fokus auf eigenen Produktideen: WLAN-Richtfunk für die „letzte Meile“ des Internets, Multischalter und Verstärker für den Satellitenempfang, erste Funkmodule zur Datenübertragung – Was man sich als Startup oder Firmengründer als späteres Produkt eben so vorstellt.

Technisch war alles spannend, aber wirtschaftlich unsicher und herausfordernd. Denn was man für ein erfolgreiches Geschäft neben einer sehr guten technischen Lösung noch alles braucht, war zu Beginn nicht vollständig bekannt.

Die Anfrage kommt

Mitten in dieser Findungsphase erreichte uns eine Entwicklungsanfrage: Ein kleines Funkmodul sollte entwickelt werden für ein elektronisches Gadget namens „Flirty“. Die Produktidee: ein programmierbarer Schlüsselanhänger mit Funk, der auf Partys und in Clubs passende Menschen miteinander in Kontakt bringen sollte. Dating per Funk. Da die Geschlechteraufteilung seinerzeit offensichtlich klarer definiert war als in der Folgezeit, gab es Schlüsselanhänger nur in den Farben Rosa und Himmelblau. Diese Farbgebung war Vorgabe des Kunden, auch wussten wir nicht, wie der Algorithmus zur Programmierung und zum Matching aussah.

Das Projekt war für uns also überschaubar, und die Bestellung kam nach unserem Angebot ganz einfach und formlos per Fax: „Wir bestellen hiermit die Entwicklung eines Funkmoduls für Flirty“.

So einfach ging das? Na dann: ran an die Arbeit!

Neue Themen und Erkenntnisse

Technisch brachte das Projekt im Rückblick viel neues Know how. Das erste Mal beschäftigten wir uns hier mit:

ISM-Funkfrequenzen bei 433 MHz und später 868 MHz
Auswahl und Integration passender Transceiver-ICs und deren Beschaltung
EMV-Anforderungen und Zulassungsfragen
Fertigungsgerechte Entwicklung

Ein Blick auf den damaligen Schaltplan zeigt, wie viel Aufwand trotz eines integrierten Funkchips noch nötig war – allein für den Funkteil. Spannungsversorgung mit vielen Blockingkondensatoren, Filterschaltungen, Frequenzerzeugung mit externer PLL Loop und Varaktordiode, LNA-Matching, FM-Demodulator / Diskriminator, Tiefpass mit Komparator / Trigger für den Datenausgang: alles war noch zusätzlich zum Funkchip extern realisiert und musste auf engstem Raum in den Schlüsselanhänger.

Flirty Schaltplan

Schaltplanauszug von „Flirty“: Beeindruckend viele Bauteile für ein so einfaches Gerät.

Heute würde ein moderner SoC viele dieser Funktionen auf einem einzigen Chip integrieren, bei einer Außenbeschaltung von nur einer Handvoll Bauteilen. Andererseits machte genau diese „Handarbeit“ uns schnell fit in Dingen wie Layoutentwicklung, Bauraumoptimierung, EMV-gerechtem Design und Know-how rund um Elektronik- und HF-Entwicklung.

Der Entwicklungsprozess entsteht

Auch in der Projektabwicklung selbst traten viele Sachen in den Vordergrund, die bei den davor durchgeführten Eigenentwicklungen eher zweitrangig waren. So etwa ein straffer Terminplan, ein klares technisches Ziel und natürlich auch Ansprüche des Kunden, die mit passenden Unterlagen und Mustern fristgerecht erfüllt werden mussten.

Die Zusammenarbeit mit externen Kunden inkl. der Aufgaben- und Verantwortungsteilung, die Absicherung der Qualität der Entwicklung selbst, die durchzuführenden Projektschritte in den verschiedenen Entwicklungsphasen, Art und Umfang der Dokumentation und viele andere Details der Projektarbeit wurden hier erstmalig erarbeitet und angewendet. In der Folgezeit wurde daraus bei IK Elektronik ein ausgeprägter und einfach und sehr gut funktionierender Prozess.

Entwicklungsprozess bei IK Elektronik

Kurzlebiges Produkt, tragfähige Basis

„Flirty“ war ein Trendprodukt und kam nicht bis zur Serienreife. Der Auftraggeber stellte das Projekt bald ein: der Markt war wieder weg, oder er war nie richtig vorhanden. Aber: Das erwartete Ergebnis wurde von uns geliefert, unsere Rechnung wurde bezahlt, und die Erfahrung blieb. Und aus dieser einen Entwicklung ergaben sich schnell neue Kontakte sowie weitere Kundenprojekte.

Das Projekt in rosa und himmelblau bekam so für IK Elektronik eine ganz besondere Bedeutung: Es markierte den Übergang von IK Elektronik vom Startup zum Entwicklungsdienstleister für Funkelektronik, der wir heute noch sind.

Wie uns ein besonderes Projekt auch zum Fertigungsdienstleister machte, beschreibt dieser Beitrag:

Mit Musik beim Friseur zum Elektronikfertiger
Jan-Erik Kunze, Geschäftsführer bei IK Elektronik
i
Jan-Erik Kunze:
Geschäftsführer, Leiter Entwicklung
E-Mail an Jan-Erik