Funk im Friseursalon, made by IK Elektronik
Immer neue Einblicke in spannende Branchen
Wer bei IK Elektronik arbeitet, weiß: Die Entwicklung von Funkelektronik bringt uns oft mit ungewöhnlichen Branchen, Ideen und Kunden in Kontakt. Die Bandbreite unserer Projekte ist riesig. Und die entstehenden Produkte sind sehr oft abseits dessen was man sich unter einer typischen Funk-Anwendung vorstellt.
Eines unserer spannendsten Frühprojekte hat uns den Weg zum Elektronikfertiger geebnet und damit das Unternehmen auf besondere Weise geprägt: Es ging um Haarpflege in Friseursalons, um Trockenhauben und drahtlose Musikübertragung.
Musikgenuss unter der Haube
Bis etwa ins Jahr 2000 waren wir als reines Entwicklungsbüro unterwegs, mit einem kleinen ambitionierten Ingenieursteam. Über ein früheres Projekt im Audiobereich als Referenz kamen wir in Kontakt mit einem bekannten Namen der Kosmetik- und Haarpflegebranche: Die Firma Wella, konkret mit deren Techniktochter Ondal.
Dort hatte das Produktmanagement eine kreative Idee: Kundinnen im Friseursalon, die unter Trockenhauben Platz nehmen, sollten sich die Zeit mit Musikhören verkürzen können. Keine allgemeine Beschallung, sondern individuell über kleine Ohrhörer. Dafür sollte es im Salon einen Mehrkanal-Funksender geben, der vier verschiedene Musikprogramme gleichzeitig ausstrahlt, die vor Ort selbst z.B. via CD Player eingespeist werden konnten. Im Rand der Trockenhauben sollten dann kleine passende Funkempfänger integriert sein.
So ein Produkt gab es bis dato nicht.
Kein Streaming, kein Bluetooth
Heute wäre so etwas mit Bluetooth schnell realisiert. Bluetooth gibt es jedoch erst seit 1999, und eine Bluetooth Elektronik mit den dafür notwendigen hochintegrierten Schaltkreisen aufzubauen war noch nicht möglich. Also musste eine eigene maßgeschneiderte Funklösung her.
Wir entwickelten also einen kompakten 2,4-GHz-Sender, der vier FM-modulierte Stereo-Kanäle gleichzeitig übertragen konnte – jeweils auf eigenen Frequenzpaaren. Die Erzeugung der Sendesignale erfolgte über Sende-ICs, die eigentlich für Funkfernbedienungen gedacht waren. Die Besonderheit hierbei: Durch direkte Modulation des Quarzes konnten wir eine FM-Modulation realisieren. In den Empfängern in den Trockenhauben kamen dann moderne PLL-Stereo-Demodulator-ICs zum Einsatz, damit waren eine kompakte Schaltung und eine sehr gute Empfangsqualität möglich. Mit besonderen analogen Pre- und Deemphasis-Schaltungen erreichten wir einen ausgewogenen Frequenzgang.
Der Benutzerkomfort war ebenfalls einfach und durchdacht: Die Kundin konnte mit einem Dreh-Drück-Steller (Inkrementalgeber) sowohl den Kanal als auch die Lautstärke wählen. Für den Musikgenuss musste dann nur noch ein kleiner Stereo-Ohrhörer in die Klinkenbuchse im Rand der Trockenhaube eingesteckt werden. Damit wurde auch der Empfänger ein- und ausgeschaltet. Der Empfänger wurde komplett gesteuert durch einen kleinen Mikrocontroller. Auch dieses Thema war für uns bis dahin nur nebenbei vorhanden, da wir als Elektronikexperten technische Aufgaben vorrangig in Hardware lösten. Die embedded Software gewann in den Folgejahren zunehmend an Bedeutung.

Überraschende Frage
Mitten in der Entwicklungsphase stellte uns Ondal eine Frage, mit der wir nicht gerechnet hatten: Ab wann könnt ihr das Produkt in Serie liefern?
Das war Neuland für IK Elektronik, denn bis dahin hatten wir ausschließlich entwickelt bzw. nur Muster gebaut und geliefert. Die Fertigung übernahmen die Kunden selbst oder Dritte.
Aber wir sahen auch schnell die große Chance, die sich dadurch für das Unternehmen bot und gingen mit großem Einsatz auch an diese Arbeit:
Kurz: Wir bauten praktisch innerhalb weniger Wochen unsere erste eigene Elektronikfertigung auf.
Das musikalisch-kosmetische Projekt war damit die Keimzelle der heutigen IK Elektronik Fertigung.
Schon auf dem Markt gesehen?
Die an Ondal seinerzeit gelieferten Mengen waren für unser kleines Unternehmen beträchtlich.
Aber: Ob die Musik-Trockenhauben jemals in großer Stückzahl auf dem Markt verkauft worden sind, wissen wir bis heute leider nicht genau. Dazu sind wir mit der Friseurtechnik-Branche doch zu wenig vertraut. Wahrscheinlich blieb es bei einer begrenzten Einführung. Vielleicht deshalb, weil der Bedarf in den Salons doch vom Kunden falsch eingeschätzt wurde. Vielleicht auch weil Wella kurz darauf an den Mitbewerber Procter & Gamble verkauft und Ondal in diesem Zuge grundlegend umstrukturiert wurde. Oder weil sich die eingesetzte analoge 2,4GHz Technologie durch die rasche Verbreitung von Bluetooth einfach schnell überholte.
Für uns aber war das Projekt in jeder Hinsicht ein Gewinn: Es war technisch herausfordernd, kreativ im Umgang mit den Mitteln der Zeit – und es hat unsere Unternehmensentwicklung maßgeblich beeinflusst. Es war der Moment, ab dem wir nicht nur entwickelt, sondern auch produziert haben. Ab diesem Punkt waren wir die Entwickler und Fertiger maßgeschneiderter Funkelektronik, die wir bis heute sind.
Wie unser Weg als Entwicklungsdienstleister begann, beschreibt dieser Beitrag:
Den Übergang zum industriellen Fertiger machten zwei weitere Projekte möglich:


